Case Study - Vogel Antriebstechnik GmbH
Reference profile:
| Branch: |
|
machine construction |
| Products: |
|
gearboxes |
| Employees: |
|
230 |
| cronetwork modules: |
|
scheduling board, plant data, machine data,
time & attendance, access |
Download case study as PDF file (German, 330 KB)
Download case study as Word file (German, 99 KB)
Vogel Antriebstechnik: MES-Einführung
Mit dem Spektrum von Kegelrad-, Kegelstirnrad-, Planetengetriebe sowie einer
besonderen Stärke im Bereich spielarmer Servogetriebe ist Vogel Antriebstechnik
einer der führenden und weltweit tätigen Anbieter für den Maschinen- und
Anlagenbau, Druck- und Verpackungstechnik, Handhabung, Robotik,
Kunststoffindustrie, Holzverarbeitung sowie Werkzeugmaschinen- und
Windanlagenbau.
Durch ständige Innovation und höchste Qualität der Produkte ist Vogel zu
einem führenden Hersteller in der Antriebstechnik geworden, bei einzelnen
Getriebearten sogar zum Weltmarktführer.
Um diese Marktstellung nicht nur zu untermauern, sondern weiter auszubauen
und abzusichern, entschied man sich im Bereich der Fertigungsplanung und
-steuerung Ende 2003, Anfang 2004 für die Neuanschaffung einer integrierten
Manufacturing Execution System-Lösung.
Volker Ulhmann, Geschäftsführer der Vogel Antriebstechnik, blickt zurück:
Wir hatten damals schon eine MES-Lösung im Einsatz, allerdings eine
zusammengebastelte Lösung. Da gab es zum einen ein BDE/MDE-System, den
Leitstand von IDS Scheer, eine Personalzeitwirtschaft sowie die
eSeries-basierte ERP-Lösung, über die diese drei Systeme sozusagen getrennt
miteinander verknüpft waren.
Ein großer Nachteil solcher Insellösungen unterschiedlicher Anbieter für
eine verlässliche Fertigungsplanung- und steuerung liegt auf der Hand: Die
Software-Systeme waren über recht aufwendige (und zudem teure) Schnittstellen
miteinander verbunden, ein echter Online-Betrieb war also nicht möglich. Die
Daten wurden tagsüber gesammelt und nachts wurde das Backup gemacht, so dass
man am nächsten Morgen immer für die Planung der Fertigung Daten vom
vorhergehenden Tag, aber nie tagesaktuelle zur Verfügung hatte.
Das Thema Anschaffung einer neuen, integrierten MES-Lösung kam u.a. dadurch
wieder auf die Tagesordnung, weil Vogel sich damals von den softwaregebundenen,
proprietären und in der Neuanschaffung sehr teuren Terminals trennen wollte, um
dann handelsübliche, softwareunabgängige und günstigere Industrie PCs (IPCs)
anzuschaffen.
Die Anforderungen an das neue System
Bei der Gesamtlösung Hard- und Software wurden im Vorfeld zwei Bedingungen
festgelegt:
1. Die Software-Lösung musste unabhängig von der Hardware sein; man wollte sich
weder im Bereich der IPCs noch im Bereich der Server an einen
Hardware-Hersteller binden.
2. Um endlich auch die Schnittstellenauswüchse zu beseitigen, wollte Vogel
fortan eine zentrale Datenbank, wo alle Daten künftig eingehen sollten, sowohl
aus der Feinplanung - dem Leitstand - als auch BDE/MDE- und
Personalzeiterfassungs-Daten. Am Schluss sollte nur noch eine Schnittstelle
zwischen dem MES und dem ERP-System übrig bleiben.
Von alledem versprachen sich die Vogel-Manager eine optimierte
Fertigungsplanung und steuerung auf Basis verlässlicher und tagesaktueller
Auswertungen im neuen MES.
Dazu Volker Uhlmann: Wir wollten ganz gezielt aus BDE/MDE-Daten in
Verbindung mit der Personalzeitwirtschaft eine verlässliche Planung und eine
vernünftige Auswertung bekommen, die uns letztendlich ermöglicht, eine
entsprechende Verbesserung in der Fertigung umzusetzen. Wir haben es zwar auch
schon gemacht, aber nicht mit der Konsequenz, weil die Daten teilweise doch
viel aufwändiger zu ermitteln waren.
Nach einer Marktsondierung fiel die Entscheidung Ende 2004 auf die vollständig
integrierte MES-Lösung cronetwork (Feinplanung, BDE/MDE, Personalzeiterfassung,
Personalplanung) des IT-Hauses Industrie Informatik mit Standorten im
österreichischen Linz, im süddeutschen Kenzingen und im bayrischen Landshut.
Das im Anschluss daran gemeinsam von IT-Abteilung, Geschäftsleitung und
Produktionsabteilung bei Industrie Informatik angeforderte Pflichtenheft diente
dann sogar als Basis für das Gesamtprojekt, wurde aber in weiteren Schritten
noch spezifisch ausgearbeitet.
Volker Uhlmann zum neuen Software-Partner: Wir hatten während des ganzen
Projekts das Gefühl, dass Industrie Informatik einen praxisnäheren Ansatz
verfolgt als die Wettbewerber. In der Entscheidungsfindung haben wir dann schon
sehr detailliert über technische Anforderungen gesprochen inklusive
Produktionsdatenerfassung und Produktionssteuerung. Anders ausgedrückt: Wir
stießen auf offene Ohren und erkannten früh, dass hier ein fundiertes,
technisches Verständnis für Fertigungsprozesse da ist und dass wir mit
Industrie Informatik einen Partner gefunden haben, der uns kompetent
unterstützen kann. Das war eigentlich der Ausschlag gebende Punkt.
Dazu kam noch eines: Wir hatten schon den Fertigungsleitstand von IDS Scheer im
Haus - der vor Jahren von Industrie Informatik übernommen wurde - und konnten
so auf einer bestehenden Software aufbauen. Zudem läuft cronetwork auf der bei
Vogel vorhandenen IBM eSeries-Maschine, und auch der neue IPC-Partner wird von
Industrie Informatik unterstützt.
Die Einführung der Lösung: Leitstand, BDE, MDE und
PZW
Zunächst baute man Anfang, Mitte 2005 eine Test-Umgebung auf, die von der
Vogel-IT zusammen mit Industrie Informatik realisiert wurde. Volker Uhlmann zur
erfolgreichen Implementierung: Nachdem unsere IT-Leute also nicht unbedingt die
Spezialisten für die Fertigung - das getestet hatten, was sie testen konnten,
haben wir diese Testergebnisse weiter in die Fertigung gegeben. Die
Fertigungsabteilung hat dann in einem weiteren Schritt versucht, das
Tagesgeschehen so real wie möglich in der Testumgebung nachzubilden. Und erst
nachdem diese beiden Steps erfolgreich abgeschlossen wurden, haben wir als
Geschäftsführung grünes Licht gegeben und Ende 2005, Anfang 2006 den Weg für
den Echtbetrieb damit freigemacht.
Vom genauen Ablauf her war es so, dass man zuerst den Fertigungsleitstand,
also Feinplanung und Fertigungssteuerung, den aktuellen Stand gebracht hat -
ein nahezu problemloses Unterfangen, weil Vogel bereits die IDS Scheer-Lösung
im Einsatz hatte. Da waren zwar noch einige Softwarestände dazwischen, so dass
im Prinzip eine ganz neue Umgebung aufgebaut wurde. Doch die anschließende
Datenübernahme wie auch die Einarbeitung der Mitarbeiter seien gut über die
Bühne gegangen, so Volker Uhlmann.
Bei der Software-Einführung kam für Vogel noch ein großer Vorteil dazu, wie
Volker Uhlmann erläutert: Wir hatten ja noch ein funktionierendes System.
Deswegen waren wir auch nie am Anschlag. Wir haben uns immer gesagt, solange
das andere System noch läuft, können wir auch damit arbeiten. Das alte System
lief also weiter, bis die Testphasen abgeschlossen waren. Der Echtstart von
cronetwork bedeutete gleichzeitig die Ablösung des alten Systems.
Die Schulungen der Key-User fanden bei Industrie Informatik in Linz statt,
die der restlichen Mitarbeiter im Anschluss vor Ort. In Workshops zu speziellen
Themen - wie etwa Fertigungssteuerung - wurde dann nochmals abgefragt, was die
Mitarbeiter genau von der Software erwarteten und hat dann zum Teil mit
Training on the Job gemeinsam die Lösung erarbeitet.
Bei der Einführung des BDE-Moduls wurden - nachdem die ersten, neuen IPCs
kamen - das Netzwerk auch zuerst wieder als Testumgebung aufgebaut und
dabei die typischen Melde-Vorgänge nachgespielt: Anmeldung eines
Fertigungsauftrags, Abmeldung, Meldungen von Störungen, Stillständen oder
Rüstvorgängen. Das alles wurde mehrfach durchgespielt. Nachdem die IT-Abteilung
diese Umgebung so freigegeben hat, wurde der Testlauf in der Fertigung gemacht.
Dabei haben unsere IT-Mitarbeiter die Mitarbeiter in der Fertigung so gut
geschult, dass der komplette Know how-Transfer in der Fertigung aufgrund des
sehr gut aufgebauten Wissensstandes fast ausschließlich über unsere eigenen
Mitarbeiter ablief, fasst Volker Uhlmann das gelungene Schulungskonzept Coach
the Coach und Training on the Job zusammen.
Beim nächsten Schritt, der MDE, also die automatisierte Erfassung der
Maschinendaten, brauchte Vogel eine MDE-Sonderlösung für ein
Mehrpalettensystem, die von Industrie Informatik auch erfolgreich umgesetzt
wurde. Hierbei handelt es sich um einen Pool mit acht Paletten, von der jede
über einen Laser identifizierbar ist. Dabei legt der Mitarbeiter fest, in
welcher Reihenfolge die Paletten abgearbeitet werden, also beispielsweise erst
Palette 3, dann 5, 7 und dann 1. Das MDE-System erkennt dann automatisch,
welche Palette zum Einsatz kommt, sprich: wenn die Palette in die Maschine
kommt, läuft sie an einem Sensor vorbei, der erkennt, dass es Palette 3 ist.
Danach läuft die Maschinendatenerfassung auf diesen Fertigungsauftrag
automatisch, der an Palette 3 angemeldet ist. Der große Vorteil: Der
Mitarbeiter muss nicht noch an jeder einzelnen Palette eine Meldung absetzen,
welcher Auftrag das ist, sondern das erfolgt automatisch beim Einfahren der
Palette in die Maschine.
Wir sind besser, flexibler und schlagkräftiger
geworden!
In einem letzten Schritt wurde Anfang 2008 die neue Personalzeitwirtschaft
etabliert, die im Oktober 2008 in Echtbetrieb ging. Volker Uhlmann zur
Einführung und zum Nutzen von cronetwork: Heute haben wir - mit Ausnahme der
Zutrittskontrolle, die aber sowieso nur peripher zum Einsatz kommen soll - das
alles umgesetzt, was wir ursprünglich auch geplant hatten. Das heißt, die
Bausteine Fertigungssteuerung, BDE, MDE und Personalzeiterfassung arbeiten auf
einer Datenbank und wir haben nur noch eine Schnittstelle zu unserem
ERP-System, so dass wir jetzt in der Lage sind, aus diesen Daten die
Fertigungssteuerung zeitnah, online zu aktualisieren.
Die Fertigungssteuerung und das ist einer der größten Nutzen - hat also immer
ein aktuelles Bild von der augenblicklichen Situation in unserer Fertigung.
Man sieht online und in Echtzeit beispielsweise, welche Aufträge zurzeit in
Bearbeitung sind oder welche Aufträge aktuell abgemeldet sind.
Mit dieser Aktualität der Daten können wir einfach besser planen, steuern und
sind damit grundsätzlich besser, flexibler und schlagkräftiger geworden.
In Zahlen ausgedrückt: Im direkten Jahresvergleich 2008 zu 2004 haben wir fast
50 Prozent mehr Umsatz erzielt, und das mit der gleichen Mannschaft in der
Fertigungssteuerung. Ich denke, das wäre mit dem alten System schwierig
geworden, so Uhlmann weiter. Der Nutzen im Bereich BDE/MDE ist zum einen die
Möglichkeit, kurzfristig zu erkennen, wo etwas schief läuft, um dann auch
schnell eingreifen zu können. Zum anderen der vorteilhafte Umstand,
mittelfristig zu sehen, wo steckt noch Rationalisierungspotenzial oder wo und
was müsste noch optimiert werden, um dann letztendlich anhand einer Auswertung
die alles entscheidende Frage zu beantworten, ob das, was man in der Fertigung
tut, überhaupt noch wirtschaftlich ist.
Diese Frage gewinnt gerade auf dem Hintergrund der aktuellen Krise eine
besondere Bedeutung: Im Zusammenspiel zwischen ERP und MES hat Vogel heute
zusätzlich noch eine sehr gute Überprüfungsmöglichkeit der Wirtschaftlichkeit
in der Fertigung (u.a. Maschinen- und Arbeitsplatzauslastung), dazu Volker
Uhlmann: So werten wir Durchlaufzeiten aus. Das heißt, wir vergleichen Soll-
und Ist-Durchlaufzeiten und ermitteln die OEE (Overall Equipment
Effectiveness). Das Ziel ist immer, schnell und einfach zu erkennen, wie viel
Prozent unseres Maschinenparks sind überhaupt produktiv.
Auf der anderen Seite wollen wir den tatsächlichen Stillstand ausmachen. Weiter
vergleichen wir Soll- mit Ist-Rüstzeiten und Soll- und Ist-Produktionszeiten.
Und immer wenn es einen Unterschied, Abweichungen zwischen Soll und Ist gibt,
geht man konkret und zeitnah auf die Sache ein und analysiert, wo die Probleme
liegen. Das ist sicherlich auch ein großer Nutzen des Systems, denn auch hier
haben wir wirklich zeitnah aktuelle Daten und können schnell und sicher
analysieren und gegebenenfalls auch korrigieren. Und dann versuchen wir mit
Meister und den Mitarbeitern zusammen in einer Art KVP (Kontinuierlicher
Verbesserungsprozess) eine mögliche Optimierung bis hin zu einer besseren
Kalkulation auch tatsächlich auszuschöpfen. Da gehört natürlich auch
Überzeugungsarbeit dazu, wir wollen die Mitarbeiter ja nicht drangsalieren,
sondern wir müssen wirtschaftlich arbeiten, wenn wir auf dem Weltmarkt
erfolgreich sein und damit auch Arbeitsplätze sichern wollen.
Ausblick mit Vision
Neben einer automatisierten Fertigungsplanung, einer nachhaltigen und
kontinuierlichen Optimierung der Fertigung will Vogel mit der MES-Lösung
cronetwork in einem nächsten Schritt auch die automatisierte Personalplanung
und die Zutrittskontrolle umsetzen, dazu nochmals Volker Uhlmann: Meine Vision
ist es, dass man im MES bestimmten Mitarbeitern bestimmte Qualifikationen
zuweist, und die wiederum bestimmten Maschinengruppen, so dass man dann sagen
kann: Wenn die und die Mitarbeiter da sind, haben wir die und die Kapazität an
der und der Maschine zur Verfügung.
Vogel hätte dann also nicht nur eine reine Maschinenplanung, so wie es im
Augenblick schon ist, sondern zusätzlich eine automatisierte Personalplanung,
mit der man vorausschauend erkennen kann, wie viel Kapazität, die sich immer
aus Maschine und Mitarbeiter zusammensetzt, denn tatsächlich auch zur Verfügung
steht. Und wäre zudem für die Zeit in und nach der Krise bestens
aufgestellt.
|