MES als Schlüssel zur resilienten Smart Factory
Resiliente Produktion braucht mehr als einzelne digitale Lösungen. Sie braucht eine verlässliche technologische Grundlage, die Transparenz schafft, Prozesse intelligent unterstützt und mit den Anforderungen internationaler Produktionsnetzwerke wächst.
Ein Manufacturing Execution System (MES) kann dabei zum Schlüssel der resilienten Smart Factory werden.
Im Interview zeigt Thorsten Steger, CEO von Industrie Informatik, welche Rolle MES, Künstliche Intelligenz in der Produktion und hybride Architekturen dabei spielen.
Herr Steger, Sie haben 2024 als COO für Vertrieb und Marketing zum MES-Spezialisten Industrie Informatik gewechselt und führen das Unternehmen seit Juli 2025 als CEO. Welche Schwerpunkte setzen Sie?
Unser Fokus liegt darauf, Industrie Informatik als verlässlichen Partner für die digitale Transformation der Fertigungsindustrie weiterzuentwickeln. Dabei konzentrieren wir uns konsequent auf unsere Kernkompetenz: die diskrete Fertigung.
Gleichzeitig wollen wir unser Kerngeschäft stärken, international wachsen und unsere Lösungen für globale Produktionsnetzwerke skalierbar machen.
Unternehmen aus Branchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Medizintechnik oder Metallverarbeitung stehen heute vor großen Herausforderungen: Von steigenden Kosten über den Fachkräftemangel bis hin zu internationalen Produktionsnetzwerken.
Unser Ziel ist es, ihnen mit einer stabilen, zukunftssicheren MES-Plattform konkrete Lösungen für diese Herausforderungen bereitzustellen.
Was zeichnet Industrie Informatik und das cronetwork MES besonders aus?
Unsere Stärke ist die Kombination aus langjähriger Produktionsexpertise und einer hochmodularen Softwareplattform. Unsere MES-Software cronetwork schließt die Lücke zwischen ERP-System und Shopfloor und schafft Transparenz über sämtliche Produktionsprozesse.
Ebenso wichtig ist für uns die Qualität der Software. Deshalb investieren wir kontinuierlich in die Straffung unseres Produktportfolios, optimierte Kernsysteme und ein konsequentes Qualitätsprogramm mit automatisierten Regressionstests und stabilen Releases.
Welche Anforderungen beschäftigen Ihre Kunden derzeit am stärksten?
Wir sehen aktuell drei zentrale Themen.
Erstens die Internationalisierung. Viele Unternehmen erweitern ihre Produktion oder verlagern Standorte nach Europa, Nordamerika oder in den APAC-Raum. Dafür benötigen sie MES-Lösungen, die mehrere Werke weltweit einheitlich unterstützen. Wir schaffen dafür globale Lieferstrukturen und bauen Nearshore- und Offshore-Kapazitäten weiter aus.
Zweitens wünschen sich Unternehmen eine möglichst kurze Time-to-Value. Digitalisierung muss schnell messbare Ergebnisse liefern. Deshalb setzen wir auf vorkonfigurierte Standardfunktionen, standardisierte Lösungspakete und strukturierte Schulungsangebote.
Der dritte Punkt ist Transparenz. Viele Fertigungsunternehmen verfügen noch immer nicht über einen durchgängigen Echtzeitblick auf ihre Produktion. Ein modernes MES schafft genau diese Transparenz – von der Ressourcenauslastung über Produktionskennzahlen bis hin zur lückenlosen Rückverfolgbarkeit.
Welche Themen stehen 2026 bei Industrie Informatik besonders im Mittelpunkt?
Ein wesentlicher Schwerpunkt ist die konsequente Weiterentwicklung unseres Lösungsportfolios. Dabei spielt Künstliche Intelligenz in der Produktion eine zentrale Rolle.
Wir entwickeln AI Assistance Modules, die Produktionsmitarbeitende und Leitstände intelligent unterstützen. Sie erkennen beispielsweise Anomalien frühzeitig, geben Handlungsempfehlungen und helfen dabei, Produktionsabläufe kontinuierlich zu optimieren.
Darüber hinaus bauen wir unser Angebot an standardisierten Lösungspaketen weiter aus. Diese ermöglichen eine schnelle Implementierung und verkürzen die Time-to-Value für unsere Kunden erheblich.
Gleichzeitig investieren wir in unsere hybride Architektur. Dank konsistenter APIs können Unternehmen ihre Produktions-IT flexibel und nahtlos über On-Premises-, Edge- und Cloud-Umgebungen hinweg betreiben.
Wohin entwickelt sich cronetwork MES in den kommenden Jahren?
Unsere Innovations-Roadmap verfolgt das Ziel, Manufacturing Execution Systems noch intelligenter, flexibler und international skalierbar zu machen. Ein wichtiger Entwicklungsschwerpunkt sind vollständig integrierte AI Assistance Modules, die Künstliche Intelligenz in der Produktion nutzbar machen. Sie werden sich von der reaktiven Überwachung hin zu einer proaktiven und zunehmend autonomen Unterstützung von Mitarbeitenden und Produktionsverantwortlichen entwickeln.
Ein weiteres zentrales Thema ist die hybride Konnektivität. Wir arbeiten kontinuierlich an einer ausgereiften Architektur, die die Sicherheit von Edge Computing mit der Flexibilität der Cloud verbindet und unseren Kunden maximale Freiheit bei der Gestaltung ihrer IT-Landschaft bietet.
Parallel dazu bauen wir unser internationales Delivery-Modell weiter aus. Mit globalen Lieferstrukturen, unserem Value-Added-Reseller-Ökosystem sowie Nearshore- und Offshore-Kapazitäten wollen wir unsere Kunden weltweit mit einheitlicher Delivery-Governance und konsistenter Projektqualität begleiten.
Gerade in wirtschaftlich anspruchsvollen Zeiten werden Investitionen häufig verschoben. Warum lohnt sich die Digitalisierung dennoch?
Gerade dann lohnt sie sich besonders. Unternehmen müssen ihre Wettbewerbsfähigkeit sichern und gleichzeitig effizienter wirtschaften. Wir fördern Investitionen deshalb, indem wir einen klaren ROI aufzeigen. Dabei stehen für uns vor allem Effizienzgewinne und Skalierbarkeit im Mittelpunkt.
Der größte Hebel liegt häufig in der Automatisierung. Wer heute noch manuell Produktionsdaten erfasst oder Prozesse über Excel steuert, verschenkt wertvolles Potenzial. Automatisierte Datenerfassung und Künstliche Intelligenz in der Produktion ermöglichen KI-gestützte Analysen, reduzieren Fehler, sparen Zeit und schaffen eine belastbare Entscheidungsgrundlage.
Wichtig ist außerdem, dass Unternehmen nicht alles auf einmal umsetzen müssen. Unsere Lösungen sind skalierbar. Kunden können mit einem klar definierten Anwendungsbereich starten und das System schrittweise erweitern, sobald sich der Nutzen nachweislich zeigt.
Nachhaltigkeit ist längst mehr als ein Imagefaktor. Welchen Beitrag kann ein MES leisten?
Nachhaltigkeit beginnt häufig mit Transparenz. Nur wer seine Prozesse kennt, kann Ressourcen gezielt optimieren.
Ein MES hilft dabei, Ausschuss zu reduzieren, Maschinen besser auszulasten und Produktionsabläufe effizienter zu planen. Das spart Material, Energie und Zeit. Gleichzeitig entstehen belastbare Daten, mit denen Unternehmen ihre Nachhaltigkeitsziele messbar verfolgen können.
Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit schließen sich also keineswegs aus – sie ergänzen sich.
Neben Green Manufacturing und Energieeffizienz gehört auch Cybersicherheit zu den zentralen Zukunftsfeldern, in denen wir unsere Kunden mit technischen und strategischen Maßnahmen unterstützen.
Industrie Informatik treibt auch die internationale Expansion voran. Welche Strategie verfolgen Sie dabei?
Viele Unternehmen bauen ihre Fertigung international aus oder verlagern Kapazitäten in neue Märkte. Unser Anspruch ist es, sie dabei weltweit mit derselben Qualität und Verlässlichkeit zu begleiten.
Für Europa bedeutet das die weitere Stärkung unseres Primary Focus in der DACH-Region sowie unseres Extended Focus in ganz Europa. Gleichzeitig investieren wir gezielt in den Ausbau unserer Aktivitäten in den Regionen APAC und Americas. Dort etablieren wir international skalierbare Lösungen, die unterschiedliche Zeitzonen, regionale Anforderungen und lokale Marktgegebenheiten berücksichtigen.
Ein wesentlicher Baustein unserer Strategie ist unser internationales Value-Added-Reseller-(VAR)-Ökosystem sowie der Ausbau globaler Supportstrukturen. So stellen wir sicher, dass unsere Kunden weltweit von einer einheitlichen Delivery-Governance und einer konsistent hohen Projektqualität profitieren.
Abschließend: Wie sieht für Sie die Smart Factory der Zukunft aus?
Die Smart Factory der Zukunft ist transparent, vernetzt und intelligent. Entscheidungen werden auf Basis aktueller Produktionsdaten getroffen, Routineaufgaben zunehmend automatisiert und Mitarbeitende gezielt durch digitale Assistenzsysteme unterstützt.
Dabei steht für mich nicht die Technologie im Mittelpunkt, sondern der konkrete Nutzen für den Menschen und das Unternehmen. Digitalisierung ist kein Selbstzweck. Sie muss Prozesse vereinfachen, Wettbewerbsfähigkeit stärken und Unternehmen dabei helfen, auch in einem dynamischen Marktumfeld erfolgreich zu bleiben.