Inside Smart Factory

Automatisierungspyramide - bewährt, aber noch zeitgemäß?

25.03.2022

Seit drei Jahrzehnten dient die klassische Automatisierungspyramide der Einordnung von industriellen Technologien und stellt die verschiedenen, hierarchischen Ebenen in der industriellen Fertigung dar.

Ein Paradigmenwechsel – befeuert durch die Smart Factory und ihre vernetzte, automatisierte und digitale Produktion – zeichnet sich ab: Nach und nach weichen die monolithische Softwaresysteme der Pyramidenarchitektur flexiblen Anwendungen, Prozessen und Microservices, die den individuellen Anforderungen an eine intelligente Fabrik Rechnung tragen.

Wir haben Bernhard Falkner (Chief Technology Officer, Industrie Informatik GmbH) zum Gespräch über technologische Trends im MES-Umfeld gebeten.

Herr Falkner, 2019 haben Sie mit der Einführung von cronetworld das Ende der Automatisierungspyramide verlautbart. War diese Verlautbarung etwas verfrüht – in der Industrie scheint die Botschaft ja noch nicht überall angekommen zu sein?

Richtig! Damals wie heute war und ist unsere klare Aussage, dass sich die Automatisierungspyramide, so wie wir sie heute kennen, nach und nach auflösen wird! Dass dieser Prozess mit Anfang 2022 noch nicht abgeschlossen ist, war uns auch damals bewusst. Viele Industrieunternehmen setzen noch heute auf dieses klassische und bewährte Modell. Das wird auch in einigen Jahren noch der Fall sein bzw. wird es hybride Ansätze geben.

 

Viele Unternehmen bestehen auf der klassischen Pyramide. Kann es ein Nebeneinander der beiden Konzepte geben oder führt das Zögern zu einem Wettbewerbsnachteil?

Die Welt wird in nahezu allen Lebensbereichen von einer hohen Dynamik gelenkt. Das betrifft selbstverständlich auch die Industrie. Wer in Zukunft einen Wettbewerbsvorteil erhalten möchte und mit dem Markt mithalten will, der muss seine Prozesse ebenso dynamisch gestalten. Klassische MES-Funktionen (Manufacturing Execution System) können dabei in einem stabilen Kern bleiben, sofern diese weitgehend offen sind, um sie mit individuellen Prozessen verbinden zu können.

Was treibt die Veränderung mehr an: Die Nachfrage der Kunden, oder die Angebote der Systemhersteller?

Angebote von Systemherstellern sind zu einem gewissen Prozentsatz auf die Markt- und Kundenbedürfnisse zurückzuführen. Ich würde also behaupten, dass beides der Fall ist. Das deckt sich auch mit unseren Erfahrungen. Wir entwickeln neue Lösungsansätze auf Basis von Kundenanfragen ebenso, wie aus Visionen aus unserer Ideenschmiede. Innovative Unternehmen erkennen zudem in neuen technologischen Möglichkeiten Chancen für sich. Auch daraus entstehen neue Bedürfnisse und Anforderungen an unsere Dienstleistungen und Systeme!


Mit welchen Wünschen kommen Ihre Kunden zu Ihnen? Wie läuft ein Digitalisierungsprojekt eines altehrwürdigen Unternehmens ab, dass in diesem Bereich noch nicht Fuß gefasst hat?

Im Normalfall steht der Wunsch nach mehr Effizienz, Optimierungspotenzialen und einer zukunftsfähigen Fertigung im Vordergrund. Wir bringen mehr als 30 Jahre Erfahrung im Bereich der Fertigungsdigitalisierung mit. Unternehmen, die an uns herantreten sind in der Regel froh, wenn wir unsere Erfahrung einbringen und sie damit an der Hand nehmen. Selbstverständlich hören wir ganz genau hin, um die Stärken unserer Kunden zu erkennen, Bedürfnisse zu erfassen und in konkreten Nutzen für sie umzuwandeln.

Jedes Softwareprojekt ist verschieden und keines gleicht dem Anderen. Flexibilität ist daher auch bei der Umsetzung von Projekten entscheidend.

 

Wird OPC UA FX in Zukunft die „Weltsprache der Automatisierung“ oder bleibt es bei dem Mix aus Feldbussen, Ethernet-Protokollen und neuen Themen wie Gaia-X etc.?

OPC UA FX ist noch sehr jung – eine Prognose, ob sich dieser Ansatz durchsetzen wird, ist daher aus heutiger Sicht kaum möglich. Vergleicht man ihn mit der Verbreitungshistorie von OPC UA, dann wird es sicher einige Jahre dauern, bis es zu einer merklichen Marktverbreitung und -durchdringung kommt. Auch dann werden bisherige Technologien parallel existieren.

 

Wie stehen Sie dem Vorpreschen von Hyperscalern wie AWS gegenüber, die zunehmend im Bereich der produzierenden Industrie tätig werden?

Über mehrere Jahrzehnte hinweg etablierte Prozesse und Softwaresysteme inklusive Beratungs-, Prozess- und Produktionsexpertise, können und sollten nicht mit derartigen Lösungsansätzen verglichen werden. Wir als MES-Anbieter können uns jedoch vorstellen, im Rahmen groß gedachter Digitalisierungsprojekte Bausteine solcher Hyperscaler integrativ zu nutzen und so die Mehrwerte für die Industrie zu maximieren. Aus heutiger Sicht muss aber wohl noch das Vertrauen von potenziellen Usern in diese Hyperscaler wachsen. Hinzu kommen weitere Komponenten wie rechtliche Themen, wo es noch viele Detailfragen zu klären gibt.

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Geschrieben von:
Markus Maier
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